Wednesday, August 10, 2011
Ausverkauf bei Inter Mailand: Begeht der ehemalige Champions-League-Sieger Selbstmord?
Mailand. Im Mai 2010 erst hatte Inter Mailand alles erreicht, was man als europäischer Fußballverein so erreichen kann. Diego Milito schoss das Team mit seinem Doppelpack gegen den FC Bayern München zum Champions-League-Titel, nachdem man zuvor bereits die italienische Meisterschaft und den Pokal gewonnen hatte. Jetzt, gerade einmal 15 Monate nach dem Triple-Gewinn unter Jose Mourinho, liegt der Klub in Trümmern.
Gian Piero Gasperini ist bereits der dritte Trainer, seitdem sich der portugiesische Erfolgscoach in Richtung Real Madrid verabschiedet hatte - und nachdem Leonardo und Rafael Benitez nicht mal annähernd in die Fußstapfen Mourinhos treten konnten, hat der 53-jährige eine äußerst undankbare Aufgabe: Angesichts der finanziellen Probleme des Klubs sollen mit Samuel Eto'o und Wesley Sneijder offenbar die zwei besten Spieler des Teams verkauft werden.
Der Niederländer gab jüngst zu: „Inter braucht Geld, und wenn ein passendes Angebot eingeht, stehe ich zum Verkauf.“ Wie Goal.com bereits Mitte Juli exklusiv berichtet hatte, hat Manchester United größtes Interesse an dem Vize-Weltmeister - über die Ablösesumme ist man sich bereits einig geworden, nun versucht man auch, hinsichtlich des Gehalts zu einer Übereinkunft zu kommen.
Als wäre der Verlust Sneijders nicht schon bitter genug, scheint auch Eto’o vor dem Absprung zu stehen. Zwar hatte Inter-Präsident Massimo Moratti noch bis vor zwei Wochen betont: „Eto'o ist zu 100 Prozent einer von uns.“ Aber neueste Entwicklungen haben gezeigt, dass der russische Verein Anzhi Makhachkala kurz vor der Verpflichtung des Kameruners steht: Der Sportdirektor der Mailänder, Marco Branca, gab bekannt, dass sich die Verantwortlichen beider Vereine am Dienstag getroffen hatten und man sich die Offerte der Russen angehört habe, die 35 Millionen Euro bieten. Auch Eto'os Berater machte deutlich, dass der Transfer kurz vor dem Abschluss steht - alles deutet auf einen Wechsel seines Klienten hin.
Die Tatsache, dass Inter die Verhandlungen in beiden Fällen hat öffentlich werden lassen, deutet stark darauf hin, dass die zwei Akteure spätestens ab September nicht mehr im San Siro spielen werden. Wenn man seine zwei besten Spieler halten will, sorgt man dafür, dass derartige Gespräche nicht an die Presse kommuniziert werden - und wenn man um große Titel spielen will, gibt man seine zwei besten Spieler nicht ab.
Jedes europäische Team würde unter dem Verkauf seiner beiden besten Akteure leiden - man stelle sich vor: Barcelona ohne Lionel Messi und Xavi, Real Madrid ohne Cristiano Ronaldo und Mesut Özil, AC Milan ohne Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva, Manchester United ohne Nemanja Vidic und Wayne Rooney, Bayern München ohne Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger - all diese Mannschaften wären nur noch halb so stark.
Bei Inter wäre der Verlust angesichts der momentanen Lage bei den Mailändern ungleich größer: Obwohl man daran arbeitet, das Durchschnittsalter zu verringern, sind die Hälfte der Akteure in der Wunschelf über 30 - darunter viele Schlüsselspieler wie der 33-jährige Lucio und der 38-jährige Javier Zanetti. So kann man konstatieren: Inter ist ein Team, das sich spätestens nach den neuesten Entwicklungen auf dem absteigenden Ast befindet.
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